Gelesen bei http://www.netzeitung.de/10.2.08
Globaler Teufelskreis
Das Börsenbeben droht den weltweiten Abschwung zu beschleunigen. In Deutschland stehen Wirtschaft und Arbeitsmarkt auf der Kippe. Jetzt rächt sich: Die Bundesregierung hat das Haus nicht wetterfest gemacht. In der 215-jährigen Geschichte der New York Stock Exchange haben die Händler schon viel erlebt. Mit dem Wort historisch gehen sie in der Hauptstadt des Geldes deshalb vorsichtig um. Doch der vergangene Dienstag wird in die Börsenbücher eingehen. Mehr als 1100 Aktien markierten historische Kurstiefs. Das gab es in den vergangenen 40 Jahren nur viermal: Im Mai 1973, im Oktober 1987, im August 1998 und im vergangenen August, als die Finanzkrise mit erster Wucht zuschlug.
Was zunächst nur die Börsianer beschäftigte, hat eine weit größere Dimension: Trotz der Zwischenerholung vom vergangenen Donnerstag könnte das Aktienbeben die Abwärtsspirale der globalen Wirtschaft erst so richtig in Schwung bringen. Denn bisher waren, ausgehend von Amerika, nur die Immobilienmärkte betroffen: Unternehmen konnten sich an der Börse frisches Geld holen, sollten die von der Immobilienkrise gebeutelten Banken die Zinsen weiter in die Höhe treiben, und Hauseigentümer konnten sich mit einem Blick in ihr Aktiendepot trösten, wenn ihre Immobilie an Wert verlor. Damit ist jetzt Schluss. „Ein breiter Rückgang aller Vermögenswerte könnte Investitionen und Konsum in den Industrieländern stark belasten“, fürchtet Thomas Mayer von der Deutschen Bank in London.
Berlin: Auch Deutschland könnte sich dem nicht entziehen. Zwar kann hierzulande keine Immobilienblase platzen, weil es keine gibt. Aber wegen der noch immer schwachen Inlandsnachfrage hängt das Wachstum noch viel zu stark am Tropf der Weltwirtschaft. Sollten die Börsen noch einmal um zehn Prozent nach unten krachen, schätzt Andreas Rees von UniCredit, würde dies in Deutschland 0,5 Prozentpunkte Wachstum kosten. Statt um 1,7 Prozent, ohnehin schon wenig, würde die Wirtschaft dann nur noch um 1,2 Prozent zulegen. Noch glaubt Rees nicht, dass es so schlimm kommt. Aber „in diesen Tagen muss man in Risikoszenarien denken“, sagt er.
Im Berliner Regierungsviertel ist davon anscheinend noch nicht viel angekommen: Viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, probt die große Koalition die große Realitätsflucht. Zwar hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos seine Wachstumsprognose für 2008 im neuen Jahreswirtschaftsbericht von 2,0 auf 1,7 Prozent gesenkt, darin aber das Börsengeschehen der vergangenen Woche nicht ausreichend berücksichtigt.
Mein Kommentar: Einmal kommt es viel schlimmer als der Kommentator befürchtet und dann ist im Berliner Regierungsviertel die Wirtschaftskrise schon längst in den Köpfen angekommen und hat blinde Panik erzeugt.
Unsere weltfremden Schönwetter-Redner haben einfach kein Konzept. Sie schauen auf die kommende verheerende Krise, wie Karnickel aus ihren Erdloch und hoffen, das sie das Spektakel in Deutschlands grösster Pleitestadt irgendwie aus Zufall überleben. Vom agieren und regieren sind sie weit entfernt. Vor lauter Angst was Falsches zu sagen, sagen sie lieber gar nicht und verleugnen die Wirklichkeit. Und ihrem großen Meister über dem großen Teich fällt auch nichts anderes ein als noch mehr Geld auszugeben, anstatt endlich zu sparen!
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