gelesen bei http://www.handelsblatt.com.de am 03.6.08

Wie der Börsenhandel mit Baumwolle aus den Fugen geriet
von Tobias Bayer (Frankfurt)
Ob Öl, Weizen oder Mais: Die Finanzindustrie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Preise zu treiben. Besonders heftig ist die Diskussion im Fall der Baumwolle. Handelsbetriebe in den USA gehen reihenweise pleite. Jetzt ermittelt die Aufsicht.
Am 3. März brach für Alan Underwood eine Welt zusammen. Der Baumwollehändler aus dem texanischen Lubbock verlor an diesem Tag den Glauben an die Terminmärkte. "Seitdem sichere ich mich nicht mehr ab. Aus mir ist ein Spekulant geworden. Meine Bank ist davon nicht gerade begeistert", sagt Underwood, der seit 1973 in der Branche ist und jetzt seinen Familienbetrieb in Gefahr sieht.
Was war passiert? Am 3. März stieg der Baumwollpreis an der Terminbörse ICE Futures auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren - und erreichte den oberen Rand der erlaubten Tagesschwankung. Solche Limits sollen Marktteilnehmer vor allzu großen Preisbewegungen schützen. Doch an dem Märztag lief es anders. Da die Tagesschranken nur für Futures gelten, griffen die Händler zu Optionen und trieben die Notierungen weiter in die Höhe. Das Pikante dabei: Die Terminbörse ICE Futures nutzte zur Bestimmung des Abrechungspreises - dieser ist relevant für die Sicherheitsleistungen (Margins) an der Börse - Optionen. Das hatte zur Folge, dass viele Baumwollhändler wie Underwood ernorme Zahlungen leisten mussten. Einige von ihnen brachen unter der Last zusammen.
"Es gab überhaupt keinen Grund für diese Preisbewegung. Auf dem physischen Markt konnten wir unsere Baumwolle gar nicht loswerden", echauffiert sich Jobe Moss, der in Lubbock das Brokerhaus MCM Cotton betreibt und auch für Underwood handelt. Er hat die Schuldigen ausgemacht: "JP Morgan, UBS oder Deutsche Bank. Sie überfluten den Markt mit Geld. Es ist wie im Pokerspiel. Auf der einen Seite haben sie einen Spieler mit 5000 $ im Topf, auf der anderen Seite einen mit 50 Mio. $. Es ist klar, wer sich durchsetzt."
Welche Verantwortung haben die Spekulanten?

Was sich auf dem Markt für Baumwolle abspielt, steht stellvertretend für die Diskussion: Welche Rolle spielen Spekulanten bei der aktuellen Rohstoffrally? Ob Weizen, Mais, Öl oder eben Baumwolle: Die Experten streiten, was fundamental gerechtfertigt ist, und was das Resultat übermäßiger Spekulation ist. Vor dem US-Kongress finden zu dem Thema Anhörungen statt - am Dienstag wird sich Hedge-Fonds-Legende George Soros zum Ölpreis äußern -, auch die Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) ermittelt.

Kommentare

Wie der Börsenhandel mit Baumwolle aus den Fugen geriet??

Das ist Augenwischerei pur! Bush der Junior lenkt hier wieder sehr fadenscheinig von seiner eigenen Verantwortung ab! Nicht Spekulanten tragen die Hauptschuld an der Teuerung, sondern der marode Dollar, der von Bush Junior in seiner Amtszeit mit zweistelligen Billionen Schulden, Absturzreif gemacht hat. Die Finanzindustrie ist genauso wenig Schuld an den Preissteigerungen wie die Terroristen beim Einsturz des WTC!

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